Jugendschutz in Berlin

Minderjährige kamen problemlos an harten Alkohol

„Katastrophales Ergebnis für Supermärkte, ‚Spätis‘ und Kioske“! So kommentierte das Berliner Abendblatt (abendblatt-berlin.de / 25.05.) die Ergebnisse einer Testkauf-Aktion mit Jugendlichen: In 83 Prozent der Fälle kamen sie problemlos an harten Alkohol ran (was eine extrem hohe Negativquote darstellt, gemessen am Durchschnitt der meisten Erst-Testkäufe, die im Bundesdurchschnitt bei 60 bis 70 Prozent verbotener Abgabe liegen.

Oliver Schworck, Bezirksstadtrat für Jugend, Ordnung und Bürgerdienste, zeigte sich schockiert und wird in der Zeitung mit den Worten zitiert: „Besonders überrascht haben mich die Ergebnisse in den Supermärkten“, sagt der SPD-Politiker. Dort zeigen Kassensysteme den Mitarbeitern oft an, wenn Produkte dem Jugendschutz unterliegen.

Das Ordnungsamt Tempelhof-Schöneberg hatte sich im März bereits zum dritten Mal an der Testkauf-Aktion mit Minderjährigen beteiligt. Vor der Aktion wurden die Testkäufer entsprechend geschult. „Wir haben den Geschäftsleuten und Mitarbeitern faire Bedingungen geboten“, sagt Schworck. So hätten die Testkäufer auf Nachfrage ihr wahres Alter nennen und ihren Ausweis vorlegen müssen – Überredungsversuche waren ihnen streng verboten. In der Realität ist solche Ehrlichkeit bei der ersten Nachfrage durch den Verkäufer eher unwahrscheinlich. Umso erschreckender ist die „Erfolgsquote“ der minderjährigen Käufer im Test. Folgenlos verlief der Test für Gewerbetreibende nicht. Verkauften sie Alkohol, folgte direkt die entsprechende Anzeige durch das Ordnungsamt. Bezirksstadtrat Schworck warnt: „Diese Art der Kontrolle wird weitergehen.“ (jugendschutz-info.de 06.06.2016)