Kinder- und Jugendschutz

In der Schweiz werden verbindliche Alterslimiten für Videos und Games diskutiert

Der Schweizer Bundesrat will Kinder und Jugendliche besser vor «ungeeigneten» Spielen und Videos schützen. Das berichten mehrere Zeitungen im Nachbarland auf ihren Online-Portalen, so die Neue Züricher Zeitung und der Blick. Danach habe der Bundesrat am Mittwoch (19.10.) beschlossen, bis nächstes Jahr ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten.

Weil Videos und Computerspiele heute einfach verfügbar sind, ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor ungeeigneten Medieninhalten besonders wichtig, findet der Bundesrat. Während bisher vor allem die Medienkompetenz der Jugendlichen gefördert wurde (unter anderem durch das Programm „Jugend und Medien“), will die Landesregierung nun zusätzlich mit regulierenden Maßnahmen eingreifen. So soll es Altersbeschränkungen für Filme und Games geben. (www.blick.ch)

Bestehende Regelungen sind lückenhaft

Der Kinder- und Jugendmedienschutz im Film- und Computerspielebereich habe nach Auffassung der Schweizer Regierung Lücken: Die Alterskennzeichnung und die Zugangskontrolle im Kino sowie die Abgabekontrolle bei DVDs und Computerspielen seien in den meisten Kantonen nicht gesetzlich geregelt. Schutzlücken bestünden auch bei Video on demand und Diensten wie YouTube. Die Selbstregulierung der Branchenverbände reiche ebenfalls nicht. Heute gebe es Branchenregelungen, aber nicht alle Anbieter machten dabei mit. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement des Innern daher beauftragt, bis Ende 2017 eine „Vernehmlassungsvorlage“ auszuarbeiten.

Ziel sind Rahmenbedingungen, innerhalb welcher sich die Branchen selber regulieren können. Die Regelung bestimmter Bereiche soll den Branchen im Gesetz vorgeschrieben werden. Dieses könnte es Branchenorganisationen unter Umständen auch erlauben, für Nichtmitglieder verbindliche Regeln festzulegen, beispielsweise für die Alterskennzeichnung und die Altersbeschränkung.

Die jetzt schon auf den Spieleverpackungen zu findenden Altersangaben beruhen auf dem gesamteuropäischen Pegi-System (Pan-European Game Information). Für die Einschätzungen sind ein niederländisches und ein britisches Gremium verantwortlich. Die Ratings gelten in 30 Ländern, darunter auch in der Schweiz. Allerdings ist diese Lösung aus der Videospiel-Branche selber entstanden und deshalb nicht ganz unabhängig. Zudem besitzt Deutschland mit der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) eine eigene Einrichtung, was bei uns dazu führt, dass auf einzelnen Verpackung zwei sich widersprechende Empfehlungen zu finden sind.

Handlungsbedarf sieht der Bundesrat auch beim Schutz der Jugendlichen vor ungeeigneten Inhalten im Internet. In der EU steht ein Entwurf für eine neue Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste zur Diskussion, die unter anderem einen besseren Jugendschutz zum Ziel hat.

Vorgeschlagen wird ein Mechanismus, mit dem Nutzer schädliche Inhalte melden können, zudem Altersüberprüfungssysteme und ein Verhaltenskodex für die Branchen. Der Bundesrat erwägt, entsprechende Regeln zu erlassen. (jugendschutz-info.de 21.10.2016)