Gewalterfahrung    •    17. März 2017

Offensichtlich hat sich wenig geändert – Mehr Prävention notwendig

child 1439468 1920„Die Zahlen bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Es gibt keine Entwarnung“, sagt nach Medienberichten vom 17. März Jörg Fegert. Der Psychiater am Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie in Ulm stellte am 16. März in Berlin eine repräsentative Studie der Universität Ulm vor. Fast jeder siebte Befragte spricht offen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit. Fast ein Drittel habe generell Gewalt erfahren. Haupttatort, das zeigen auch andere Studien, ist die Familie.

Fegert ergänzte, dass die Auswirkungen von Vernachlässigung und Missbrauch „schon kurzfristig katastrophal“ seien. „Aber erst, wenn man das auf den gesamten Lebenslauf rechnet, lässt sich die gesamte Dimension erfassen.“ Die Trauma-Folgekosten lägen in Deutschland bei elf Milliarden Euro – im Jahr.

An die Täter von sexuellem Missbrauch sei nur schwer heranzukommen, stellte Kerstin Claus vom Betroffenenrat beim Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs fest. Das bedeute, dass „wie nur über Präventionsangebote arbeiten können. Die müssen flächendeckend sein und das braucht Zeit“. Das wichtigste sind nach ihrer Auffassung Kampagnen an Schulen, weil dort alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen seien. Mit dem Thema „sexueller Missbrauch“ müsse die Gesellschaft – ähnlich wie beim Alkohol und Rauchen – ständig im Alltag konfrontiert werden. Nur dann könne sie nicht mehr in „Verdrängungsmuster“ zurückfallen. (jugendschutz-info.de 17.03.2017)

Weitere Informationen beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs: www.beauftragter-missbrauch.de

Merken

Merken