Sexueller Missbrauch

Missbrauchsopfer sind ernüchtert

684769 web R by Fotostudio Works Lehre Villach pixelio.deFotostudio Works Lehre Villach • pixelio.deFünf Jahre nach dem Bekanntwerden zahlreicher Fälle von sexuellem Missbrauch an Schulen und kirchlichen Einrichtungen gibt es immer noch Beschönigungen, Vertuschungen und eine unzureichende Hilfe für die Opfer. Das ist das vernichtende Fazit, dass der Unabhängige Beauftragte Johannes-Wilhelm Rörig am Montag (26. Januar) in Berlin gemeinsam mit Betroffenen zog. Hoffnungen richtet Rörig nun auf eine Aufbereitungskommission, die 2016 tätig werden soll.

Wie mehrere Medien berichteten (www.tagesschau.de; www.rp-online.de) zogen Betroffene auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin eine zum Teil vernichtende Zwischenbilanz der bisherigen Aufarbeitung. "Es wird nur das eingestanden, was nachgewiesen ist", sagte Anselm Kohn, Sprecher der Initiative Missbrauch der evangelischen Kirche in Ahrensburg. "Die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen macht uns fassungslos", sagte Adrian Koerfer vom Verein "Glasbrechen" über die Odenwaldschule. Sein Fazit: "Wir sind noch nicht sehr weit gekommen."

Das lange Vertuschen des Skandals durch die katholische Kirche nannte Mattthias Katsch, Betroffener am Berliner Canisius-Kolleg, das "zweite Verbrechen" des Skandals. Klaus Mertes, der frühere Rektor des Canisius-Kollegs, der den Skandal mit aufdecken half, beklagte: "Deutsche Bischöfe weigern sich bis heute, sich mit Missbrauchsopfern an einen Tisch zu setzen."

Die vom sexuellen Missbrauch Betroffenen fordern weiterhin angemessene Entschädigungen. Die von der katholischen Kirche angebotene "Anerkennungsleistung" bis zu 5000 Euro wird als völlig unzureichend kritisiert. In anderen Ländern wie Irland, den Niederlanden oder Portugal habe es Zahlungen bis 60 000 Euro gegeben.

In Deutschland werden Schätzungen zufolge rund 100 000 Mädchen und Jungen pro Jahr sexuell missbraucht. Als Haupttatort gilt die Familie. "Die Gewalt innerhalb der Familie wird immer noch ausgeblendet, kritisierte die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Sabine Andresen. (ju-info 27.01.2015)